Palais F*luxx
Community für Rausch, Revolte, Wechseljahre

Nichts weniger als ein Palast!
Als ich vor zehn Jahren „Mutterblues“ schrieb und zur Recherche das Wort „Wechseljahre“ googelte, gab es nicht viel zu lesen. Was auftauchte, kam von den Pharmafirmen und las sich wie ein Katalog des Mangels und des zu erwartenden Ungemachs. Dünne Haare, trockene Schleimhäute, Augenbrennen, Rückgang der Energie und der Libido, schwindende Elastizität der Haut und Schlafentzug. Nur das Gewicht würde zunehmen. Und die Übellaunigkeit.
Die Definition von Frauen im Wechsel war eine Unverschämtheit. Ein männlicher Blick auf uns, in dem wir abgewertet und zu Mängelwesen erklärt wurden. Kein Wort von der Ausstrahlung älterer Frauen, der Schönheit der Reife, der Gelassenheit und Weisheit, der Kompetenz, Erfahrung und Durchsetzungskraft. Damals dachte ich, wenn ich irgendwann mal Zeit hab´, dann mach´ ich was. Dann setze ich dem etwas entgegen.
Dann machen wir es eben selbst!
Als Corona kam, hatte ich diese Zeit. Die Idee war simpel. Nach dem Motto „Wenn die Gesellschaft den Scheinwerfer nicht mehr auf uns hält, weil wir angeblich nicht mehr interessant sind, machen wir es eben selbst!“ sollte eine Plattform geschaffen werden, die genau das tut: Frauen* ins Licht stellen. Mit Anette Frisch, Brigitta Jahn und Simone Glöckler hatte ich Frauen* an meiner Seite, die mitbrachten, was mir an technischem Know-how fehlte, ich legte das Einstiegsalter auf 47 Jahre fest, und los ging’s – Palais F*luxx, unser Palast, wurde erschaffen!
Der Palast beginnt zu leuchten
Mittlerweile verstehen wir uns als „Community für Rausch, Revolte, Wechseljahre“ und sehen, wie in immer mehr Städten „Fluxxtische“ entstehen. Treffen von Frauen* 47+, die den Spirit, den Witz und das Leuchtfeuer des Palastes weitertragen und beleben. Über 20 dieser Tische gibt es bereits und was aus ihnen an Initiativen, Freundschaften, Unterstützung und Aktionen hervorgeht, lässt sich kaum festhalten.
Was sich besser festhalten lässt, ist, was in den fünf Jahren seit der Gründung geschehen und erreicht worden ist. Was wir gemacht und getan haben. Und welchen Impact dies hatte. Denn wenn Palais F*luxx gegründet wurde, Frauen 47+ ins Leuchten zu bringen, so geht es auch darum, das Negativbild von der älteren und alten Frau in den Köpfen der Gesellschaft durch das zu ersetzen, was Frauen* 47+ heute sind. Interessant. Wild. Lustig. Neugierig. Engagiert. Sexhungrig. Erfahren. Abenteuerlustig. Ungestüm. Wagemutig.
Mit Wumms, Karacho und Wirkung
Am augenfälligsten sind sicherlich unsere zwei Kampagnen „Let´s Change the Picture“ und „Ohne mich würdet Ihr alt aussehen!“, mit denen wir das Thema der Altersdiskriminierung von Frauen* in Film und Fernsehen, aber auch in der Arbeitswelt in die Öffentlichkeit gebracht haben. Von der Aachener Zeitung über die Tagesschau bis hin zur Zeit wurden die Themen in allen relevanten Medien abgebildet. Jörg Pilawa hat unser Produkt für den Herren, die Gummidrops „Antischreck – nimmt die Furcht vor älteren Frauen“ in die Kamera des Deutschen Fernsehpreises gehalten und die Stars der Branche haben mit unserem Aufkleber am Revers die Klatschblätter gefüllt. Wir haben mit dafür gesorgt, dass Friedrich Merz Tausende von Tassen geschickt bekam, als er diejenigen denunzierte, die für Demokratie auf die Straße gingen und die Omas gegen Rechts angriff. Wir haben aufgefordert, für jedes Tor, das in der unseligen Männerfußball-WM in Katar fiel, einen Euro zu spenden und so dem Verein „Discover Football“ zu 25.000 Euro verholfen. Und während wir komplett ohne Geld gestartet sind und unbezahlt arbeiten, können wir in aller Bescheidenheit sagen, dass wir zu denjenigen gehören, die das Thema Wechseljahre aus der Tabuzone geholt haben.
Feiern ist auch eine Haltung
Wir haben noch allerlei andere Dinge mit Wumms und Karacho getan, vor allem aber wurde gefeiert. Im Sommer, im Winter und zwischendurch. Legendär die Weihnachtsfeier, die kurzfristig in einen Kiosk verlegt wurde. Und jene Sause in Berlin, für die wir dem Fünf-Sterne-Hotel „Das Stue“ die Penthouse Suite aus dem Kreuz geleiert haben. Wo alle – wie immer – ihren Vornamen auf Kreppband auf der Brust trugen, egal, ob sie kellnern, Netflix-Chefin oder Politikerin sind.
Auch Kult: unsere jährlichen Wochenenden im Gutshaus Lexow. 24 Frauen, wer will, ist dabei – und dann wird es einfach … unglaublich. Unglaublich, weil man sich vorher nicht vorstellen kann, was passiert, welch Wohlwollen, welch Miteinander, welch Spaß entsteht, wenn Frauen unter sich sind und über die Dinge reden, die sie interessieren. Nicht die, die sie interessieren sollten, weil die Frauenrolle es verlangt, sondern weil es um die Person geht, die wir im Kern sind. Es ist jedes Mal ein Leuchten, das Wochen hält!
Was möglich wird, wenn wir uns trauen
Und dann ist da noch der Kitt. Der Kitt, der die Aktionen zusammenhält. Unsere Website und der F*luxxletter. Sie bilden ab, worum es geht: Frauen* 47+, die etwas machen. Zum ersten Mal. Oder endlich. Die verwegen sind. Die verrückt sind. Vermessen. Die sich den Rücken tätowieren lassen, eine Woche lang ihren 60. Geburtstag feiern oder sich beruflich selbständig machen, weil sie den Bullshit und die Ineffizienz bei ihrer Arbeit nicht mehr aushalten. Frauen*, die anderen zeigen, was möglich ist. Nicht, weil sie toller sind als andere. Sondern, weil sie deutlich machen, was möglich ist, wenn wir uns trauen, die Zuschreibungen hinter uns zu lassen. Wenn wir darauf scheißen, was andere über uns denken, und einfach machen.
Ich weiß, dass Palais F*luxx viele Frauen auf den Weg gebracht hat. Ich bekomme ihre Mails. Mails, in denen es heißt: „Weil es Euch gibt …“. Und dann folgt: „habe ich mich getraut“, „verlasse ich jetzt meinen Mann“, „habe ich endlich den Mut gefunden …“ Und es gibt auch Mails, die einfach erfüllt sind von Dank. Von Dank für den Mut, den wir zusprechen, für eine andere, eine aufmunternde Sicht auf die Dinge. Eine Sicht, die die Schwere nimmt und hilft, einen anderen Blick auf das zu finden, das sich als schwierig und überfordernd darstellt. Oft einen humorvollen. Überhaupt, der Humor. Unser mitunter etwas schräger und kantiger Humor. Die Selbstironie. Das alles ist, was Palais F*luxx ausmacht – und den Palast so besonders.
Am besondersten aber ist wohl der Fakt, dass es diesen Leucht-Palast nur gibt, ihn nur geben kann, weil er Frauen* so viel bedeutet, ihnen so wichtig ist, dass sie die anfallende Arbeit – und die ist viel! – erledigen. Unbezahlt. Und nein, das ist kein Ehrenamt, das ist unbezahlte Arbeit.
Dieser Einsatz lässt sich nicht hoch genug bewerten und bejubeln – und er zeigt, was Frauen* Tolles und Wertvolles schaffen, wenn sie von etwas überzeugt sind.
Wir müssen uns nicht optimieren, wir sind das Optimum
Die Frage ist, ob sich ein Geschäftsmodell entwickeln ließe, das nicht darauf fußt, uns Frauen* 47+ Mangel und Manko einzureden, die sich beheben ließen, wenn Frau* nur … mal etwas an sich arbeiten würde. Denn diese Denke zieht bei uns nicht. Wer im Palais-F*luxx-Alter angekommen ist, muss sich nicht „optimieren“. Wir sind das Optimum. Was die Frage erneuert: Kann es für uns ein Geschäftsmodell geben, bei dem man nicht den Werbekunden der frauenverratenden Kosmetikindustrie, Pharma etc. in den Hintern kriechen muss? Ich habe lange für Frauenzeitschriften gearbeitet – ich kann es nicht erkennen.
Feuerwerk an Power, Schönheit und Revolution 47+
Ein Bezahlmodell, das dazu führen würde, dass Frauen* ausgeschlossen würden, kommt für uns ebenso wenig infrage. Wir wollen Palais F*luxx für alle!
So bleibt nur, diejenigen in den Himmel zu jubeln, die ihre Zeit, ihre Nerven und ihre Lust in den Palast stecken und dafür sorgen, dass wir unsere Unabhängigkeit und unsere lustige Schrägheit bewahren.
Allen anderen sei das freiwillige Bezahlen empfohlen, mit dem wir die anfallenden Kosten decken.
Den Palast am Laufen zu halten, für Licht und Trubel zu sorgen, ist unglaublich anstrengend und kostet einen Großteil meiner Zeit. Aber es ist das Beste, was ich machen kann. Es gibt nichts, das mich mehr erfüllt und das mir sinnvoller erscheint, als Frauen* 47+ ins Leuchten zu bringen und gemeinsam ein ganzes Feuerwerk an Power, Schönheit und Revolution 47+ abzufeuern.