Palais F*luxx

Ein Frauenleben 47+ – die aktuelle Postkarte fasst es zusammen. © Kerstin Holzwarth

Nichts weniger als ein Palast!

Als ich vor zehn Jahren „Mutterblues“ schrieb und zur Recherche das Wort „Wechseljahre“ googelte, gab es nicht viel zu lesen. Was auftauchte, kam von den Pharmafirmen und las sich wie ein Katalog des Mangels und des zu erwartenden Ungemachs. Dünne Haare, trockene Schleimhäute, Augenbrennen, Rückgang der Energie und der Libido, schwindende Elastizität der Haut und Schlafentzug. Nur das Gewicht würde zunehmen. Und die Übellaunigkeit.

Dann machen wir es eben selbst!

Der Palast beginnt zu leuchten

Mit Wumms, Karacho und Wirkung

Auch Kult: unsere jährlichen Wochenenden im Gutshaus Lexow. 24 Frauen, wer will, ist dabei – und dann wird es einfach … unglaublich. Unglaublich, weil man sich vorher nicht vorstellen kann, was passiert, welch Wohlwollen, welch Miteinander, welch Spaß entsteht, wenn Frauen unter sich sind und über die Dinge reden, die sie interessieren. Nicht die, die sie interessieren sollten, weil die Frauenrolle es verlangt, sondern weil es um die Person geht, die wir im Kern sind. Es ist jedes Mal ein Leuchten, das Wochen hält!

Was möglich wird, wenn wir uns trauen

Ich weiß, dass Palais F*luxx viele Frauen auf den Weg gebracht hat. Ich bekomme ihre Mails. Mails, in denen es heißt: „Weil es Euch gibt …“. Und dann folgt: „habe ich mich getraut“, „verlasse ich jetzt meinen Mann“, „habe ich endlich den Mut gefunden …“ Und es gibt auch Mails, die einfach erfüllt sind von Dank. Von Dank für den Mut, den wir zusprechen, für eine andere, eine aufmunternde Sicht auf die Dinge. Eine Sicht, die die Schwere nimmt und hilft, einen anderen Blick auf das zu finden, das sich als schwierig und überfordernd darstellt. Oft einen humorvollen. Überhaupt, der Humor. Unser mitunter etwas schräger und kantiger Humor. Die Selbstironie. Das alles ist, was Palais F*luxx ausmacht – und den Palast so besonders.

Am besondersten aber ist wohl der Fakt, dass es diesen Leucht-Palast nur gibt, ihn nur geben kann, weil er Frauen* so viel bedeutet, ihnen so wichtig ist, dass sie die anfallende Arbeit – und die ist viel! – erledigen. Unbezahlt.  Und nein, das ist kein Ehrenamt, das ist unbezahlte Arbeit. 
Dieser Einsatz lässt sich nicht hoch genug bewerten und bejubeln – und er zeigt, was Frauen* Tolles und Wertvolles schaffen, wenn sie von etwas überzeugt sind.

Wir müssen uns nicht optimieren, wir sind das Optimum

Die Frage ist, ob sich ein Geschäftsmodell entwickeln ließe, das nicht darauf fußt, uns Frauen* 47+ Mangel und Manko einzureden, die sich beheben ließen, wenn Frau* nur … mal etwas an sich arbeiten würde. Denn diese Denke zieht bei uns nicht. Wer im Palais-F*luxx-Alter angekommen ist, muss sich nicht „optimieren“. Wir sind das Optimum. Was die Frage erneuert: Kann es für uns ein Geschäftsmodell geben, bei dem man nicht den Werbekunden der frauenverratenden Kosmetikindustrie, Pharma etc. in den Hintern kriechen muss? Ich habe lange für Frauenzeitschriften gearbeitet – ich kann es nicht erkennen.

Feuerwerk an Power, Schönheit und Revolution 47+

Ein Bezahlmodell, das dazu führen würde, dass Frauen* ausgeschlossen würden, kommt für uns ebenso wenig infrage. Wir wollen Palais F*luxx für alle!
So bleibt nur, diejenigen in den Himmel zu jubeln, die ihre Zeit, ihre Nerven und ihre Lust in den Palast stecken und dafür sorgen, dass wir unsere Unabhängigkeit und unsere lustige Schrägheit bewahren.

Allen anderen sei das freiwillige Bezahlen empfohlen, mit dem wir die anfallenden Kosten decken.